Der Druck der Generation Web 2.0 und wie man damit umgeht


Am 25. Juli 2010 von

druck web 2 Der Druck der Generation Web 2.0 und wie man damit umgeht wissenDas Internet mit seiner Welle ist nicht spurlos an uns vorbeigegangen mit sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook – mittlerweile lässt sich sogar schon fast jede Internetseite kommentieren. Auch der Einsatz von Smartphones mit Foto- und Videofunktion heißt für uns, dass es kaum noch Dinge gibt, die nicht veröffentlicht werden können und sollen. Alles hat sich geändert: Unser Umgang mit Informationen, unsere Konzentrationsfähigkeit und unsere Werte. Der Druck, der auf dieser Generation lastet, immer online, immer präsent zu sein und wie sorglos wir heute mit Informationen umgehen, soll Thema dieses Artikels sein.

Jeder mag alles

jeder mag alles Der Druck der Generation Web 2.0 und wie man damit umgeht wissenDie “Like”-Buttons haben es geschafft, innerhalb kürzester Zeit das ganze Internet zu durchziehen. Mit einem Klick auf einen solchen Button, kann man allen Freunden bei Facebook zeigen “Ich mag das”. Genauso bei Youtube: Hier gibt es einen Daumen nach oben, der bedeutet, dieses Video gefällt mir. Der Daumen herunter, der etwas kleinlaut daneben auch zu drücken ist, findet aber kaum Anklang. Man hat den Eindruck: Jeder mag alles. Nein-Sager, Kritiker und Schlechtmacher sind in der Generation Web 2.0 als “Hater” oder jeweils “Fanboy” der Gegenseite verschriehen. Diskussionen sind eher die Seltenheit, schließlich mögen wir ja eigentlich alles. Dass einem etwas nicht gefällt, das kann auf Facebook natürlich nicht veröffentlicht werden. Abgesehen davon, dass eine Aussage darüber, ob wir etwas mögen, nicht besonders bedeutungsschwer ist, stecken natürlich Werbeexperten und Datensammler dahinter – wer etwas mag und auf welche Art und Weise Produkte platziert werden müssen, genau das ist der Zweck des “Like”-Buttons.

Keiner liest mehr

Haben Sie sich auch schon einmal dabei erwischt, wie Sie einen Artikel lesen und… oh ein Link. Dieser Artikel ist auch interessant. Moment, ich lese gerade ein Rezept für ein Abendessen, wollte ich nicht eigentlich etwas anderes? Diejenigen Leser, die Inhalte auf einer Internetseite Wort für Wort lesen, gehören mittlerweile zu einer absoluten Minderheit. Der Großteil der Nutzer sucht nach “Keywords”, stichhalten, kurzen Argumenten, Ratschlägen oder Informationen zu einem bestimmten Themenkreis. “Ein Buch wälzen” oder “in einem Roman versinken” ist sowas von gestern. Heute ist Twitter: 140 Zeichen, kürzer als eine SMS, das ist der Geist der Zeit. Die Verlinkung im Internet lässt es kaum zu, sich auf einen Inhalt zu konzentrieren und wir wollen es auch nicht mehr. Wir wollen verworren durch die mediale Vielfalt klicken mit 10 und mehr Tabs gleichzeitig geöffnet im Browser. Manch einen überfordert in dieser Zeit schon das Lesen eines Artikels in der Zeitung, das Merken eines Zitats oder eines Rezeptes… wir sind zu unkonzentriert dafür – niemand liest mehr, wir fliegen nur noch durch die Zeilen.

google weiss alles Der Druck der Generation Web 2.0 und wie man damit umgeht wissenGoogle weiß alles

Klopft jemand an die Tür und fragt nach Informationen jeglicher Art, ist die Grundhaltung meistens eher ablehend. “Nein danke, ich habe keine Zeit für so etwas.” heißt es dann. Dabei geben wir doch längst alle Informationen Preis. Wer ist in keinem sozialen Netzwerk angemeldet, hat noch nie einen Kommentar abgegeben oder beteiligt sich in keinem Forum? Und wenn wir das schon nicht tun, nutzen wir doch alle Google. Google verbraucht für Datenverarbeitungssysteme mehr Strom als mancher Staat, fotografiert die ganze Welt und lässt Karten mit Informationen von Nutzern füttern. Wir stellen Google Fragen, die wir heute nicht mal mehr unsere Eltern fragen würden und denken gar nicht darüber nach, ob diese Informationen verarbeitet werden. Es ist ein natürlicher Vorgang geworden, sich nichts mehr zu merken, denn irgendwer oder irgendwas hat schon die Antwort auf meine Frage: Google findet alles für mich, Wikipedia hat die Antwort auf jede Frage, mein Handy kennt jede Telefonnummer… die meisten aber nicht mal mehr die Nummer des besten Freundes. Die Generation Web 2.0 ist sorglos, dabei leben Google und co. von unseren Daten – genau wie der Mann an der Haustür, der nett um zwei Minuten unserer Zeit bittet.

druck web 2 2 Der Druck der Generation Web 2.0 und wie man damit umgeht wissenInflation der Werte

Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind Werte, die heute zwar im Rahmen von Arbeitsverhältnissen noch eine Rolle spielen und in jeder Bewerbung gern von sich selbst behauptet werden, aber was heißt das heute schon? Heute ist das Zauberwort “verplanen”, “verplant” sein einer der Trendbegriffe überhaupt, der nicht einmal negativ konnotiert ist. Die Generation des Web 2.0 ist verplant und hat auch gar kein Interesse mehr an verbindlichen Terminen. Verabredungen werden kurzfristig vereinbart, Pünktlichkeit ist ohnehin nicht so wichtig, denn das “Ich komme 10min später.” kommt per SMS. Nicht nur wir selbst leiden unter der immer währenden virtuellen Verfügbarkeit, auch Gegenstände verlieren an Wert: Die alten Schellack-Platten Sammlung vom Onkel hatte unschätzbaren Wert, der auch subjektiv durch immer währende Pflege zum Ausdruck gebracht wurde. Alte Bücher, Regale voller CDs… so etwas gibt es kaum noch. Die sofortige Verfügbarkeit medialer Inhalte, vor denen auch Raritäten keinen Halt machen, lässt den Wert unermesslich fallen. Wenn die Festplatte vor Mp3 Dateien nur so überquillt und es auch schon sozial adäquat ist, sich alle Inhalt illegal zu downloaden, gibt es eigentlich keine Raritäten mehr, was auch für Filme gilt. Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Auch der Kinobesuch, der eigentlich viel mehr soziales Event ist, wurde zum bloßen Film schauen degradiert, was ja auch Zuhause auf dem Sofa geht. Darunter leiden nicht nur die Betreiber von Großkinos, sondern auch die Werte der Gesellschaft.

Alle sind online: Der Druck der Generation Web 2.0 und wie man damit umgeht

Ich will die aktuelle technische Entwicklung nicht schlechter machen, als sie ist. Viele sehen aber die Kehrseite nicht. Gesellschaftliche Isolation erreicht man heute mit dem Druck auf den Aus-Knopf des Computers. Kaum ist der Computer aus, ICQ ein paar Minuten ausgestellt meint man, irgendetwas zu verpassen. Wie ein Süchtiger wirft man alle paar Minuten einen Blick auf das Handy, der eigentlich doch sinnlos ist. Sich selbst das zuzugestehen ist nicht leicht, ein bisschen entspannter zu werden auch nicht. Mein Tipp, wie man mit dem Druck der Generation Web 2.0 umgeht, ist simpel: Alle Dinge, die wir konsumieren, sollten wir maßvoll zu uns nehmen. Dies gilt auch für das Web 2.0. Nutzen Sie die Vorzüge, die verfügbaren Datenvorkommen sinnvoll, aber: Nehmen Sie doch auch mal ein gutes Buch in die Hand und lesen eine Stunde, schalten Sie das Handy auch mal aus, melden Sie sich nicht überall an, sondern überlegen Sie gut, ob nicht ein sozialen Netzwerk reicht und gehen Sie mal wieder ins Kino. All dies nimmt einem den Druck, den die schnelle Gesellschaft aufbaut. Wie auch der Trend zum Coffee to go, wird auch der Trend dieser Schnelligkeit wieder abnehmen und die Gesellschaft wieder ein bisschen entspannter werden – zumindest hoffe ich das.

Zum Entspannter werden kann auch helfen, sich ein klassisches Handy zuzulegen, das nicht mit allen Features und Funktionen vollgepackt ist und Twitter & co. unterstützt. Abschalten hilft natürlich auch ungemein!

Diskutieren Sie gern bei uns mit: Was sagen Sie zum Thema?

Bildnachweis: Foto von exalted (FlickR)
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Eine Antwort zu “Der Druck der Generation Web 2.0 und wie man damit umgeht”

  1. [...] möglichst geringem Zeitaufwand aufnehmen zu wollen (dazu auch lesenswert unser Artikel “Der Druck der Generation Web 2.0“). Ob dieser Geschwindigkeitsrausch allerdings auch den gewünschten Effekt hat oder nicht [...]

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